Eva Heidenfelder: „Jugendliche sind nicht so ahnungslos, wie wir vielleicht glauben“

Foto: Janek Mayer

Die freie Journalistin Eva Heidenfelder (49. LR.) war 2019 sogar an drei Schulen: der Frankenlandschule Walldürn, dem Karl-Ernst-Gymnasium Amorbach und dem Johannes-Butzbach-Gymnasium in. Miltenberg. Greta Prünster (57. LR.) hat sie dazu befragt:

Sie sind #Journalistenschule-Spitzenreiterin, weil Sie gleich an drei Schulen waren. Was für Unterschiede haben Sie festgestellt?
Ich war an einem Wirtschaftsgymnasium sowie an zwei allgemeinbildenden Gymnasien. Unterschiede zwischen den Schularten konnte ich keine feststellen, alle Schüler*innen erwerben ja am Ende die Allgemeine Hochschulreife, die Wirtschaftsgymnasiasten haben lediglich einen stärkeren Fokus auf BWL, VWL und Rechnungswesen. Es gibt immer Jugendliche, die sind total interessiert und beteiligen sich an den Diskussionen oder beantworten mir meine Fragen, andere sind eher passiv bis gelangweilt, unabhängig von Schulart und Bildungsgrad. Bei den beiden allgemeinbildenden Gymnasien fiel natürlich auf, dass Achtklässler noch keine derart ausgeprägte eigene Meinung haben oder sie öffentlich vertreten wie Elft- oder Zwölftklässler. Aber gerade bei den jüngeren Schülern war ich wiederum überrascht, wie fit sie in punkto Medien und Politik schon sind und wie die Älteren auch fast alle eine Nachrichten-App nutzen. Echt stark!

Und wie war der Besuch?
Es war unglaublich aufregend und intensiv! Ich war nach allen drei Doppelstunden, die ich jeweils in den Klassen war, immer mental total fertig, deshalb erst einmal größten Respekt an alle Lehrer*innen da draußen, die diesen Job tagtäglich machen und zwar oft sechs Schulstunden lang oder mehr, fünf Tage die Woche. Auch die Schüler*innen waren trotz straffem Tagespensum bei der Sache. Ich hatte den Eindruck, dass ich sie dafür sensibilisieren konnte, etwas kritischer über den eigenen Umgang mit Medien und Nachrichten nachzudenken, dass guter und seriöser Journalismus nicht zum Nulltarif zu haben ist und dass es wichtig ist, sich aus seiner Filterblasen im Netz herauszubewegen, wenn man ein mündiger Bürger werden möchte. Einige der Schüler*innen durften bei der Europawahl am 26. Mai ja beispielsweise zum ersten Mal wählen.

Welche Fragen haben Sie den Schüler*innen gestellt?

Ich wollte wissen, ob sie den deutschen Medien und Staatsorganen noch vertrauen, sie für glaubwürdig halten. Da kam zum Glück eher ein Nicken aus den Reihen. Allerdings habe ich beschlossen, diese Frage nächstes Jahr in einer Art geheimen Wahl mit Stimmzetteln anonym beantworten zu lassen – der soziale Druck in einer Klassengemeinschaft ist doch recht hoch, viele haben Angst vor blöden Sprüchen seitens der Mitschüler*innen, dann sitzen auch noch die Lehrer*innen dabei und eine wildfremde Frau schaut auch noch zu. Viele trauen sich dann vielleicht nicht, ihre wahre Überzeugung zu sagen. Dann wollte ich noch wissen, wie sie erfahren würden, wenn Angela Merkel zurücktritt, sprich: Woher sie die neusten Nachrichten bekommen. Viele bekommen Push-Nachrichten von Google und klicken an, was sie interessiert. Da konnte ich super einhaken und sie auf die Themen Filterblasen und algorithmengenerierte Inhalte hinweisen, das war vielen glaube ich noch nicht so klar.

Manche haben außerdem „zugegeben“, dass sie nicht immer darauf achten, was die Quelle ist, aber ich glaube, sie werden jetzt verstärkt darauf achten. Auch bei Snapchat und Instagram informieren sich viele. Als glaubwürdige Medien wurden Spiegel Online, t-online, Tagesschau, heute journal, F.A.Z. und Süddeutsche genannt – und der Kicker. Dann wollte ich noch wissen ob sie glauben, dass es einen Unterschied macht, ob ich einen Artikel für die Zeitung oder fürs Netz schreibe. Da haben natürlich alle den Kopf geschüttelt. Gleichzeitig herrscht auch in dieser Generation seitens des Internets noch eine Art Gratismentalität. Klar, die wenigsten in diesem Alter geben ihr Taschengeld für Bezahlinhalte aus. Aber ich hoffe, dass sie mal darüber nachdenken, dass es die eben nicht zum Nulltarif geben kann.

Was haben Sie selbst bei den Besuchen gelernt?
Vor allem eines: Wir Erwachsenen sollten die Jugendlichen nicht unterschätzen, sie sind nicht so ahnungslos in punkto Medien, wie wir vielleicht glauben. Vor allem beim Thema gefakte (Bewegt)-Bilder kann man ihnen nur wenig vormachen. Gleichzeitig war ich dankbar, zu erfahren wie groß der Vertrauensvorschuss noch immer ist, den sie uns Journalist*innen geben, das sollten wir uns immer wieder bei unserer täglichen Arbeit vor Augen führen. Weniger angenehm meine Erkenntnis, da ich ja selbst hauptsächlich für Printmedien arbeite: Ich fürchte, die jetzige Schülergeneration holen wir eher mit Bewegtbild ab. Es nützt nichts sich darüber zu beklagen, dass sie nicht mehr printaffin ist und keine 15.000-Zeichen-Reportagen mehr am Frühstückstisch lesen will. Wir müssen unsere Geschichten mutimedial erzählen und auf Smartphone, Tablet und Co. zuschneiden. Vor allem die Öffentlich-Rechtlichen haben ja auch einen Bildungs- und Informationsauftrag, dem werden sie nicht gerecht, wenn sie so weiter machen wie bisher. Deshalb habe ich den Schüler*innen „So geht Medien“ vom BR warm ans Herz gelegt, die haben für das Webdossier schon viel richtig gemacht.

Außerdem habe ich gelernt, dass man sich im ländlichen Raum und an Schulen echt nicht auf einen komfortablen Internetzugang und die Technik verlassen kann – liebe Bundesländer, die ihr gegen den Digitalpakt sind, nehmt doch bitte das Geld. Am Wirtschaftsgymnasium in Walldürn habe ich außerdem gelernt wie wichtig auch die Rolle der Eltern ist, um den Jugendlichen einen klugen Medienkonsum beizubringen. Die Verantwortung kann hier nicht nur bei Lehrer*innen und Medienmacher*innen verortet werden.

Welche Kritik hatten die Schüler*innen an Journalist*innen?
Hier wurde als größtes Manko die Beliebig- und Austauschbarkeit vieler Online-Medien genannt. „Da schreibt doch einer vom anderen ab“, sagte ein Schüler dazu. Sie wünschen sich mehr Abwechslung und weniger Einheitsbrei. Andererseits hatten manche Schülerinnen und Schüler wiederum den Eindruck, dass manche Medien stärker über die Themen schreiben, die zur eigenen Tendenz passen, zweifelten also ein Stück weit die Neutralität mancher Medien an. Ein Schüler fand es zunächst nicht gut, dass die F.A.Z. vergangenen Herbst einen Gastbeitrag des AfD-Parteivorsitzenden Alexander Gauland veröffentlicht hat. Er war der Meinung, dass dieser Partei und ihren in seinen Augen populistischen Ansichten keine öffentliche Bühne gegeben werden dürfe. Daraus entspann sich eine schöne Diskussion zum Thema Meinungspluralität, denen sich viele unabhängige Medien verpflichtet fühlen. Allgemein sagten ein paar Schüler*innen, dass sie die Themen, die sie direkt betreffen oder für die sie sich interessieren (v.a. Bildung, Klimaschutz, Tierschutz), zu wenig von den Medien beachtet würden und sie es zwar wichtig fänden, über Kriege und Katastrophen informiert zu werden, die Tages- jedoch manchmal besser in Katastrophenschau umbenannt werden sollte. Sie wünschen sich auch mal positive Nachrichten, „sonst stumpft man ab“.

Was würden Sie nächstes Mal anders machen?
In den nächsten Jahren würde ich gerne versuchen, eher einen längeren Workshop am Nachmittag aus #journalistenschule zu machen, dann bleibt mehr Zeit für Diskussionen und die Schüler*innen können sich das, was ich jetzt eher selbst erzählt habe, in Eigenregie erarbeiten.

Der Medienspiegel 2019

Florian Neuhann (39. LR.) besuchte das Gymnasium am Tannenberg in Grevesmühlen. Die Ostsee-Zeitung schrieb darüber:

„Wie schnell eine falsche Nachricht heute ihren Weg zu den Menschen findet, das zeigte er den Jugendlichen anhand kurzer Videos. „Seid kritisch“, gab er den Schülern mit auf den Weg. „Und überlegt, ob die Quelle glaubwürdig ist.“ Denn das müssten Journalisten auch bei ihrer täglichen Arbeit beachten. Und nein, Politiker hätten keinen Einfluss auf die Nachrichten. Und über den Inhalt der Sendungen würde allein die Redaktion entscheiden“

Das Solinger Tageblatt berichtete über den Schulbesuch von Katja Mitic (41. LR.) am August-Dicke-Gymnasium:

„Die stellvertretende Nachrichten-Chefin der überregionalen Zeitung Welt brach eindringlich eine Lanze für die Attribute kritisch, tolerant und diskussionsbereit. Nicht nur im Hinblick auf mögliche Fake-News, die es etwa im Netz entlarven gelte, sei es geboten, zu hinterfragen.“

Matthias Kirsch (56. LR.) war an seinem ehemaligen Lycée Aline Mayrisch in Luxemburg. Dort arbeitet mittlerweile DJS-Alumni Judith Reicherzer (23. LR.) als Lehrerin. RTL Luxemburg hat seinen Besuch gefilmt. (Und auch Menschen, die kein luxemburgisch können, können den Beitrag verstehen.)

Die Märkische Allgemeine begleitete Markus Baluska (27. LR.) an die Libertasschule in Löwenberg:

„So erfuhren die Schüler, dass die Pressefreiheit in Artikel 5 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland verankert ist. Dort sei zum Beispiel nachzulesen, dass es keine Zensur gebe. Jeder Journalist dürfe frei seine Meinung äußern – mit einer Einschränkung: Sie müsse der Wahrheit entsprechen und dürfe andere Menschen nicht beleidigen oder diffamieren.“

Eva Heidenfelder (49. LR.) war an der Frankenlandschule in Walldürn. Dabei begleitete sie die RNZ und zog folgendes Fazit:

„Die von den Lehrern propagierte Medienkompetenz ist also ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum mündigen Bürger, der sich selbst informiert, aber auch andere Meinungen zulässt und sich damit auseinandersetzt. Die Walldürner Schüler entlässt Heidenfelder mit einem letzten Appell: Seid nett zueinander und achtsam und stellt euch gegen das hasserfüllte Klima in den sozialen Medien.“

Bernd Oswald (35. LR.) hat auf seinem Blog auf seinen Besuch am Ernst-Mach-Gymnasiums in Haar zurückgeblickt.

„Auch in der abschließenden Fragerunde zeigte sich, dass die Schüler die Arbeit von Journalisten sehr gut reflektieren können. So fragte mich ein Schüler: Was halten Sie von dem Trend, dass sich Politiker immer lieber mehr online in eigenen Portalen sei es auf Instagram oder auf Websites von der Regierung präsentieren anstatt Fragen von Reportern oder Journalisten zu beantworten?“

Weitere Berichte in Tageszeitungen:

  • Die Frankenpost schrieb über den Schulbesuch von Matthias Zuber (31. LR.) am Jean Paul Gymnasium in Hof.
  • Die Windsheimer Zeitung berichtete über den Workshop von Steffi Fetz (50. LR.) am Georg-Wilhelm-Steller Gymnasium in Bad Windsheim.

Carsten Hauptmeier in Frankfurt: „Vertrauen ja – bezahlen nein. Wie kann man diese Lücke schließen?“

Carsten Hauptmeier mit Schüler*innen der Bettinaschule Frankfurt am Main
Carsten Hauptmeier mit Schüler*innen der Bettinaschule Frankfurt am Main

Carsten Hauptmeier (32. LR.), Justizkorrespondent AFP, war am Immanuel-Kant-Gymnasium in Bad Oeynhausen (2 Oberstufenkurse, 11. Klasse) und an der Bettinaschule (10. Klasse, auch Gymnasium) in Frankfurt am Main. Kathrin Müller-Lancé (57. LR.) hat ihn zu seinem Besuch befragt:

Welche Fragen haben die Schüler*innen gestellt?
Es kamen eigentlich weniger Fragen, sondern eher Einschätzungen und Vermutungen von den Schüler*innen. Die meisten haben ein Grundvertrauen in die Medien und auch ein gewisses Grundverständnis darüber, wie Medien funktionieren. Bei Großereignissen informieren sie sich vor allem über seriöse Medien, vom Spiegel bis zur Tagesschau. Aber eben eher punktuell, nicht unbedingt regelmäßig, wie man sich das vielleicht wünschen würde. Einige sind allgemein schon sehr gut informiert, andere nutzen klassische Medienangebote kaum. Soziale Medien – zum Beispiel Instagram – spielen auf jeden Fall eine große Rolle. Die Erwartungen an Medien sind vielfältig und zum Teil widersprüchlich: Schnelle Informationsangebote wie die Tagesschau in 100 Sekunden werden von manchen geschätzt, andere wünschen sich dagegen auch in Nachrichtensendungen mehr Hintergründe und Erklärungen.

Was hast du bei dem Besuch gelernt?
Ich habe gelernt, dass die Schüler*innen in der Regel eine sachliche, neutrale, ausgewogene Berichterstattung erwarten. Ich habe das Gefühl, dass sie vor allem ernst genommen werden wollen. Sie brauchen nicht unbedingt Kinder- oder Jugendnachrichten, die besonders unterhaltsam oder vermeintlich altersgerecht aufgemacht sind. Aufgefallen ist mir auch, dass viele über bestimmte Ressorts einen Zugang zu Medien bekommen. Zum Beispiel über den Sport – und vielleicht kommen sie durch dieses Eingangstor auch noch zu anderen Themen.

Welche Kritik kam von den Schüler*innen?
Das Grundvertrauen der Schüler*innen steht im Widerspruch zu einer gewissen Skepsis bei einzelnen Jugendlichen. Da gibt es dann auch das diffuse Gefühl, dass die Medien doch etwas verschweigen. Es wird dann zum Beispiel vermutet, dass irgendwelche Großmächte oder die Wirtschaft Einfluss haben. Manche kritisieren auch, dass ihrer Meinung nach zum Teil zu einseitig berichtet wird – sei es über die Türkei, Donald Trump, die Autobranche oder auch über Fußballfans. Gerade in solchen Punkten war es wichtig, ins Gespräch zu kommen.

Was hat dich überrascht?
Viele Schüler*innen waren überraschend stark an Nachrichten aus dem Ausland interessiert. Da kamen zum Beispiel Fragen dazu, warum über den Bürgerkrieg im Jemen viel weniger berichtet wird als über den in Syrien.
Auffällig war auch, wie selbstverständlich es für die Schüler*innen ist, dass Medien kostenlos sind. Dieser Widerspruch treibt mich um: Vertrauen ja – bezahlen nein. Wie kann man diese Lücke schließen? Wie kann man erklären, warum man für Medien bezahlen sollte? Natürlich kann niemand von 16-Jährigen verlangen, dass sie Zeitungsabos abschließen, aber auf der anderen Seite würden sie für andere Angebote auch selbstverständlich zahlen. Zumindest ein Bewusstsein dafür kann auch bei Aktionen wie #journalistenschule geschaffen werden.

Tweet von Carsten Hauptmeier, in dem er schreibt, dass es an der Bettinaschule in Frankfurt jetzt eine Schülerzeitung gibt. Für die Redaktion gab es mit der Aktion #journalistenschule drei Stunden Praxis.
Tweet von Carsten Hauptmeier

Du warst auch im vergangenen Jahr schon an der Bettinaschule. Kurz danach haben sie dort eine Schülerzeitung gegründet. Wie kam’s dazu?
Die Idee kam schon im vergangenen Jahr nach meinem Besuch an der Bettinaschule auf. Es gab entsprechende Wünsche von Schüler*innen und eine engagierte Lehrerin, die eine Schülerzeitung aufbauen wollte. Mein Besuch an der Schule war sicher nicht der entscheidende Anstoß für das Projekt, aber ich konnte vielleicht einen kleinen Beitrag leisten. Jedenfalls wurde ich danach gefragt, ob ich ein wenig helfen könne. Deshalb war ich in den vergangenen Monaten noch zwei Mal an der Schule, um den Schüler*innen Tipps zu geben. Ich werde die Schülerzeitung natürlich auch in Zukunft weiter gerne unterstützen. Für mich ist die Entstehung der Schülerzeitung die beste Nachricht von meinen Besuchen. So bekommen die Schüler tatsächlich einen Einblick in die Praxis und befassen sich nicht nur in der Theorie mit Medien. Dabei lernen sie viel mehr, als wenn ich drei Stunden an die Schule komme. Sie müssen sich zum Beispiel fragen: Darf ich das Foto von diesem Lehrer veröffentlichen oder stehen Persönlichkeitsrechte dagegen? Eignet sich dieses oder jenes Thema eher für einen Bericht oder für einen Kommentar? Wenn ich durch meine Besuche einen kleinen Beitrag zur Entstehung dieser Schülerzeitung leisten konnte, dann waren sie jede Stunde wert. Denn mich treibt nach der zweiten Runde bei der Aktion #journalistenschule vor allem die Frage um: Wie können wir das noch nachhaltiger machen?

Okan Bellikli in Dresden: Sind Redaktionen ein Abbild der Gesellschaft?

Okan Bellikli mit Dresdner Schülerinnen und Schülern

Okan Bellikli (56. Lehrredaktion) ist im Rahmen seines DJS-Abschlusspraktikums gerade bei der Sächsischen Zeitung in Dresden. Am Tag der Pressefreiheit besuchte er in der Landeshauptstadt Sachsens eine zehnte Klasse der 121. Oberschule „Johann Georg Palitzsch“.

Nach mir kam Mathe. Bis dahin ging es um ein bei den Schülerinnen und Schülern beliebteres M: Medien. Das erste Thema war Medienkritik: Etwa, dass viele Medien recht abhängig sind von Nachrichtenagenturen und dass es immer wieder zu „Rudeljournalismus“ kommt. Oder, dass die meisten Redaktionen kein richtiges Abbild der Gesellschaft liefern, was die soziale Herkunft der Mitarbeitenden angeht. Außerdem ging es auch um das Problem Medienkonzentration, also darum, dass ein Großteil der Medien zu einigen wenigen Konzernen gehört. Sowie darum, dass es manchmal Verflechtungen gibt zwischen Medienschaffenden und der Politik beziehungsweise der Wirtschaft.

Die erste Frage an mich war, was ich von Donald Trump halte. Die zweite, welches Meme ich am liebsten mag. Das führte dazu, dass ich selbst neue Memes kennenlernte und den Schülerinnen und Schülern anhand des „Meme Journals“ zeigen konnte, dass man mit Memes auch Journalismus machen kann. Danach ging es die meiste Zeit um Instagram: Die meisten der rund 20 Schülerinnen und Schüler, die größtenteils 16 Jahre alt sind, nutzen das soziale Netzwerk. Wir sprachen darüber, dass die App insgesamt sehr oberflächlich ist, man dort viel Belangloses findet und oft durch sie scrollt, wenn einem langweilig ist. Ich habe dann einige Beispiele von Medien gezeigt, die Instagram nutzen, um Journalismus gerade für junge Leute ansprechend umzusetzen, z.B. die „News-WG“ vom Bayerischen Rundfunk oder der Account von „fluter“, dem Jugendmagazin der Bundeszentrale für politische Bildung. Für das Instagram-Abschlussprojekt „Total Kommunal“ meiner Klasse, für das wir unter anderem in Dresden waren, habe ich bei der Gelegenheit natürlich auch gleich Werbung gemacht.

Später ging es auch um Arbeitsbedingungen und das Selbstbild von Journalistinnen und Journalisten, auch die Schulleiterin, die mich in ihren Deutschunterricht eingeladen hatte, stellte hierzu einige Fragen. Ein Schüler fragte mich beispielsweise, ob Journalisten eher selbstständig seien oder fest angestellt. Bei der Gelegenheit kam dann zur Sprache, dass die Bezahlung im Journalismus leider nicht immer gut ist. Schade war, was ein Schüler erzählte: Dass er nach seinen anstehenden Abschlussprüfungen sich hätte vorstellen können, eine Ausbildung bei einem regionalen Fernsehsender anzufangen; dass das aber am Mindestalter 18 und am fehlenden Führerschein gescheitert sei. Gefreut hat mich, dass ein anderer Schüler meinte, er könne sich schon vorstellen, irgendwann beruflich in die Richtung zu gehen. Der Punkt war mir im Gespräch mit der Klasse auch wichtig: Man kann immer anfangen, als Journalist zu arbeiten, es gibt keinen vorgeschriebenen Ausbildungsweg oder ein Alter, ab dem es zu spät ist.