Stefan Maier in Haag: „Es ist wirklich Interesse an unserem Beruf da“

Stefan Maier (22. LR.) leitet den Programmbereich Bayern 2 und besuchte die Realschule Haag in Oberbayern. Die Fragen stellte Patrick Wagner (57. LR.).

Was ist dir von der Aktion #journalistenschule besonders in Erinnerung geblieben?
Haag ist doch ein gutes Stück entfernt von München, deshalb bin ich schon am Vorabend hingefahren und hab dann mit meinem Bus auf dem Parkplatz der Realschule übernachtet. Am morgen wurde ich dann von einer Lehrerin mit frischen Butterbrezen empfangen. Das fand ich sehr nett. Auch der Direktor, die anderen Lehrer*innen und die Schüler*innen haben mich sehr herzlich empfangen. Alle waren Feuer und Flamme für den Workshop.

Was hat dich denn an dem Tag positiv überrascht?
Ich habe den Schüler*innen der neunten Klasse einen Packen Meldungen mitgebracht. Wichtige und unwichtige. Dann haben wir gemeinsam überlegt, welche Nachrichten relevant und welche irrelevant sind. Da war das Votum einstimmig. Ereignisse wie der Brand der Notre Dame oder der Busunfall in Madeira fanden sie wichtig.

Was hast du denn bei der Übung eigentlich erwartet?
Ich habe befürchtet, dass der ganze Social-Media-Quark für die jungen Schüler*innen viel interessanter wäre. Dieser Verdacht hat sich zum Glück nicht bestätigt. Themen, die kaum relevant sind, haben auch bei denen keinen Platz. Da unterscheiden sich die Neuntklässler*innen von heute kaum von meinen Kommiliton*innen an der DJS damals.

Und was hat dich negativ überrascht?
Bei uns im BR wird das Thema Podcast ziemlich gepusht. Wir glauben, dass wir damit die jungen Leute erreichen. Als ich gefragt habe, wer von den Schüler*innen Podcast hört, haben sich nur wenige gemeldet. Das war ziemlich ernüchternd. Da stimmt unser eigenes Wunschdenken wohl doch nicht mit der Realität überein.

Und was wollten die Schüler*innen von dir wissen?
Das waren teilweise ganz banale Fragen wie: Wie kann man eigentlich Journalist*in werden? Fragen, die gezeigt haben, dass wirklich Interesse an unserem Beruf da ist. Das hat mich beeindruckt. Wir haben dann gemeinsam erarbeitet, was für Medienmarken die Schüler*innen so kennen. Da waren die Süddeutsche Zeitung, der Münchner Merkur und Lokalblätter in und um Haag eigentlich allen ein Begriff. Das fand ich sehr erfreulich. Offensichtlich spielt der Journalismus bei den Schüler*innen der neunten Klasse bereits eine wichtige Rolle. Eine Schülerin war so aufgeweckt und interessiert, da kann ich mir gut vorstellen, dass wir die bald wiedersehen. Entweder bei euch in der DJS oder bei mir im BR. Ich glaube, die hat Blut geleckt.

Gibt es etwas, das du von deinem Besuch mitnimmst?
Zuhören und auch vermeintlich banale Dinge nicht für selbstverständlich erachten. Ich hatte an der Schule ein Radio dabei und habe dann die BR-Wellen durchgeklickt, um den Schüler*innen die Unterschiede in den Programmen zu zeigen. Einige haben da ganz große Augen bekommen und waren ganz überrascht, dass der BR so viele verschiedene Programme anbietet.

Was können wir als Journalist*innen in unserer Berichterstattung besser machen?
Das, was immer gilt. Viel erklären und alles transparent machen. Als ich das Thema Meldungen durchgegangen bin, habe ich erstmal erklärt, wo wir das Material herbekommen, mit dem wir arbeiten. Das war ein Exkurs, der für die Schüler*innen total interessant war. Zu erfahren, da gibt es Meldungen und wir Journalist*innen kuratieren und überprüfen die nach bestimmten Kriterien. Auch wenn das für uns selbstverständlich ist. Wir haben es ja nicht mit Profis, sondern ganz normalen Hörer*innen zu tun, die einen Anspruch darauf haben, Sachen erklärt zu bekommen.

Fragen über Fragen

#journalistenschule ist immer auch Anlass, um über unser journalistisches Selbstverständnis nachzudenken. Was ist unsere Aufgabe? Erfüllen wir sie? Wie wollen wir arbeiten? Wer kann eigentlich Journalist*in werden? Welche Themen kommen in unserer Berichterstattung zu kurz?

Denn immer, wenn wir eine Schule betreten, warten schon viele Fragen auf uns. Eine Auswahl haben wir hier gesammelt. Das Schöne ist nämlich, dass die Diskussionen darüber nicht in den Klassenzimmern bleiben, sondern auf Twitter weitergeführt werden.

  • Wie sieht es eigentlich mit dem ökologischen Fußabdruck für euch Journalisten aus? Nehmt ihr oft den Flieger, wenn ihr für Interviews reisen müsst?
  • Warum kommt es zu „Rudeljournalismus“?
  • Wie wählen Journalist*innen Nachrichten aus?
  • Wie abhängig sind Medien von Nachrichtenagenturen?
  • Kann ich auch mit einem Realschulabschluss Journalist werden?
  • Bilden Redaktionen die Gesellschaft treffend ab, was die soziale Herkunft der Mitarbeitenden angeht?
  • Warum gehört ein Großteil der Medien einigen wenigen Konzernen?
  • Fühlen Sie sich unter Druck gesetzt, ständig gute Stories zu produzieren?
  • Wie berichten Journalist*innen aus Ländern ohne Pressefreiheit?
  • Was genau heißt eigentlich Pressefreiheit? Gibt es Dinge, über die Sie nicht berichten dürfen, weil es verboten ist?
  • Was tun Sie gegen Anfeindungen von Journalist*innen auch in Deutschland?
  • Was verdienen Journalist*innen?
  • Gibt es bei Medien einen Boss, der alle Themen bestimmt?
  • Dürfen Journalist*innen in einer Partei sein?
  • Sind Fake News strafbar?
  • Haben Sie selbst als schon mal Fehler gemacht? Wenn ja: Wie schlimm waren die und was haben Sie dann gemacht?
  • Wann genau, also in wie vielen Jahren, wird die allerletzte Zeitung gedruckt, weil das Internet den Printjournalismus dann völlig verdrängt hat?
  • Bei Anschlägen oder Umweltkatastrophen gibt es ja immer sofort einen Brennpunkt nach der Tagesschau. Wie kann man vermeiden, dass in dem ganzen Stress keine Falschnachrichten entstehen?

Fragen, die wir uns auch immer wieder stellen und denen wir uns in solchen Diskussionen immer wieder stellen sollten.